Ein Spaziergang in meinen lieben Wachendorf
Ein Spaziergang in meinem lieben alten Wachendorf
von Helga Jansen-Theisen
In Wachendorf wurde ich geboren, es sind schon 54 Jahre gar gehe ich durchs Dorf, wünscht ich mir einen Tag, wies zu meiner Kindheit war. 61 Häuser, etwas über 243 Leute wohnten hier, die Straßen voller Löcher, man brach sich die Beine schier. Ein Auto, aber schon zwei Kutschen gar, da spielte man auf der Straße ohne Gefahr. Es wurde Dopp geschmeckt, Klippchen und Rängel gespielt, man hat trotz oder wegen mancher Mängel sich wohlgefühlt. Ziegen waren eine beliebte Kleinbürgerkuh, meistens kamen Hühner, Kaninchen, ein oder zwei Schweine dazu. Eine Schule gab´s auch, mit einem Lehrer, der alles lehrte, wenn man bedenkt, welche Geduld „1. bis 8. Klasse“ dazu gehörte. Es gab zwei Tante Emma-Länden. Fremde gab´s keine, Jeder kannte Jeden. In der Kapelle läutete das Glöcklein zum Engel des Herrn oder wenn einer gestorben war, die Leute zu informieren. Bekanntmachung gab´s durch Herrn Wolf, die Glocke hörte man weit voraus, dann rief er seine Meldungen aus. Ein ganzes Jahr freute man sich drauf, wenn zur Kirmes (24. Juni) spielte das schmucke Tambourkorps auf. Ein Dorfschuster, Meister Tombers, eine liebe Persönlichkeit, schenkte mir jeden Tag ein Stück seiner Zeit. In der Schmiede roch es nach Huf, wo Meister Wiesen den Pferden neue Schuhe schuf. Sonntags wurde in unserer Nachbarschaft musiziert und gesungen, aus dem offenen Fenster ist es weit in die Straße hineingedrungen. Brot und Kuchen wurde gemeinsam gebacken, niemandem saß, so wie heute, die Zeit im Nacken. Unser Dorf war eine verschworene Gemeinde vom Böchel, im Wingers, im Dörp bis hin zur Heide. Es trübte zwar der Krieg und damit verbundene Sorgen den Alltag und die Frage, wie wird es Morgen? Aber wie es nun mal ist, der liebe Gott niemand vergisst. Die Zeit holt alle einmal ein, stellt, obs passt oder nicht, jedem ein Bein. Heute erstrahlt Wachendorf im 800-jährigen Festtagsgewand. Gott schütze alle die heute hier leben mit starker Hand. Das die Gemeinde eine Gemeinschaft sich kann preisen wünscht von Herzen Eure und Ihre
Helga Jansen-Theisen